{"id":40132,"date":"2016-02-10T16:34:51","date_gmt":"2016-02-10T15:34:51","guid":{"rendered":"http:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/?page_id=40132"},"modified":"2020-10-23T09:16:30","modified_gmt":"2020-10-23T07:16:30","slug":"opa-ueber-kulturabbau","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/opa-ueber-kulturabbau\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfvater erinnert sich&#8230;.."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">Das Gespr\u00e4ch eines Gro\u00dfvaters mit seiner Enkeltochter \u00fcber den Kulturabbau in unserer gemeinsamen Heimatstadt Gera<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">Von Wolfgang Hothorn<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">Seit Dienstag,dem 1.Dezember 2015, dem Besuch der ersten Diskussionsrunde \u00fcber die weitere Entwicklung der Theater \u2013 und Orchesterlandschaft Th\u00fcringens in Altenburg und der anschlie\u00dfenden Runde am 8.12.2015 in Gera,nimmt mich ein f\u00fcrchterliches Szenario in Besitz.<br>Im Jahre 2025 geht meine dann 13 j\u00e4hrige Enkeltochter mit ihrem alten Gro\u00dfvater,dann 85 j\u00e4hrig,durch den K\u00fcchengarten spazieren.Wir bleiben vor einem repr\u00e4sentativen Geb\u00e4ude stehen,welches vor \u00fcber 120 Jahren seiner Bestimmung \u00fcbergeben wurde.Meine Enkelin fragt:\u201cIst das unserer ehemaliges Theater? Wie ich von Dir erfuhr gab es hier mal ein sogenanntes F\u00fcnfspartentheater.Was gibt es hier heute noch?\u201c<br>Meine wehm\u00fctige Antwort:\u201cHin und wieder ein Schauspiel und ein volkst\u00fcmliches Konzert.\u201c<br>\u201eWieso\u201c &#8211; war die berechtigte Frage.<br>Ich erkl\u00e4rte meiner Enkelin die Geschichte dieses Hauses:<br>Dein Opa ist als Kind schon mit dem Zaubervirus Theater infiziert worden.Meine erste Oper, die ich geh\u00f6rt habe, war die \u201e Aida\u201c mit dem legend\u00e4ren ersten Heldentenor der ehemaligen Breslauer Oper Rudolf Streletz,der blutjungen, sp\u00e4terhin ber\u00fchmt gewordenen Hannelore Kuhse in der Titelrolle und der Anneliese Bey als Amneris.Es war f\u00fcr mich faszinierend.<br>Theater und sp\u00e4ter das Konzerterlebnis haben mich nicht mehr losgelassen.<br>Als heranwachsender Mensch habe ich das Auf und Nieder unseres Theaters miterlebt.Auch in der mit Unrecht durchwebten DDR kam es auf der einen Seite zu einer langsamen Personalreduktion.Das mal vorhandene Operettenensemble verschwand z.B.Mehrere Fachgebiete gingen in gemeinsame auf.Unsere Generalmusikdirektoren haben aber immer wieder auf der anderen Seite eine Stellenaufstockung f\u00fcr das Orchester bei Partei und Regierung angemahnt.Sehr eindr\u00fccklich ist mir das Engagement von Herrn G\u00fcnther Schubert in Erinnerung geblieben.Jeder Tropfen h\u00f6hlt den Stein war damals die Devise.Mit Erfolg.Ein zweites Anrecht konnte eingerichtet werden,da das Interesse der Geraer und der B\u00fcrger aus den Nachbarkreisen an qualitativ hervorragenden Konzerterlebnissen enorm gestiegen war.Bald wurde aus dem Orchester der B\u00fchnen der Stadt Gera eine Philharmonie und das mit einem Zuwachs an Musikern.Es waren immer festliche Stunden,die die Menschen auch in ihrem \u00c4u\u00dferen zum Ausdruck brachten.<br>1977 war ein besonderes Jahr.Der Einbau und die Weihe einer neuen Orgel durch Herrn Prof.K\u00f6hler und unserem Theaterorganisten Herrn Sieghardt Zitzmann war der H\u00f6hepunkt der Saison.Ca. 500000 Mark der Notenbank der DDR soll diese musikalische Fortschrittsentwicklung gekostet haben.<br>Bis vor kurzem war Herr GMD Laurent Wagner,ein franz\u00f6sischer Mitb\u00fcrger,der ein lupenreines Deutsch sprach, noch hier t\u00e4tig.Resigniert ist er in den Ruhestand gegangen.Eine Nachbesetzung ist nicht erfolgt.<br>Seit 5 Jahren geht der Orchesterabbau nun vonstatten.Von ehemals 78 Stellen,von denen noch zu meiner aktiven Besuchszeit nur 73 besetzt waren ,sind jetzt noch 60 vorhanden .Die Planung der Konzertinhalte ist zur Beliebigkeit verkommen.Die vor 10 Jahren,also im Jahre 2015, als i- T\u00fcpfelchen gepriesene Kooperation mit der Jenaer Philharmonie hat sich als Rohrkrepierer erwiesen,wenn Du wei\u00dft was ich meine.Die Jenenser haben die Absicht des Ministers in aller \u00d6ffentlichkeit abgelehnt.Der Klang unseres Orchesters wurde im Laufe der Jahre immer d\u00fcnner und d\u00fcnner, das Konzertrepertoire immer schmaler.<br>\u201eWas habt ihr denn dagegen unternommen?\u201c wollte meine Enkelin wissen.<br>\u201eWarum habt Ihr denn nicht gegen diesen nicht hinnehmbaren Kulturabbau protestiert?\u201c<br>Doch mein Kind,das haben wir, entgegnete ich meiner Enkeltochter.<br>Schlagartig sind wir wieder in der Realit\u00e4t angekommen.<br>Deshalb muss ich folgende Fragen an den Herrn Minister, richten:<br>Welchem Hirn oder wie Sie es formulieren,man darf auch mal schwarze Schw\u00e4ne denken im nicht\u00f6ffentlichen Raum, sind diese kruden Gedankeng\u00e4nge einer solchen neuen Kulturordnung f\u00fcr Theater und Orchester entsprungen? Bei deren Umsetzung in der gedachten Form w\u00e4re es der radikalste Schritt in Richtung einer weiteren Kulturminimierung in Th\u00fcringen.Das bei einer dominanten Linksregierung!Sie w\u00fcrde im wahrsten Sinne des Wortes die bisherige kulturfeindliche Politik von CDU oder in Gemeinsamkeit mit der SPD links \u00fcberholen. Ihr Ministerpr\u00e4sident postulierte bei seinem Dienstantritt:<br>Wir machen keine Revolution\u2026..wir wollen nicht alles anders,aber vieles besser machen.<br>Warum ist unter dieser Flagge nicht als Erstes aus Ihrem Ressort der Vorschlag gekommen Kultur zur Pflichtaufgabe zu machen,wie in einigen CDU regierten L\u00e4ndern?<br>Warum gibt es immer noch eine durch das Land gesteuerte finanzielle Ungleichbehandlung der H\u00e4user?<br>Wieso kann der Egozentrik des SPD Vorsitzenden des Landes Th\u00fcringen,in Personalunion OB der Stadt Erfurt,Raum f\u00fcr den Ruf nach einer Staatsoper Erfurt gegeben werden,vielleicht noch als nachgeordnete Einrichtung des Landes mit 100% iger Bezuschussung?<br>An die Damen und Herren Lokalpolitiker stelle ich die Frage:<br>Wieso soll der Stellenabbau im Orchester alternativlos sein?<br>Diese Aussage trafen Frau Landr\u00e4tin Sojka (Linkspartei) in trauter Gemeinsamkeit mit dem CDU Mitglied FrauZippel,ihres Zeichen Mitglied des Kulturausschusses im Altenburger Kreistag.Das Mitglied des Stadtrates Gera und zugleich Mitglied des Th\u00fcringer Landtages Herr Huster kann, von ihm ge\u00e4u\u00dfert, keinen Kulturabbau erkennen.<br>Der Herr Minister,hochintelligent,rhetorisch geschliffen, versucht nun die finanzielle Miesere bei dem angedachten Ausgang der Kulturneuordnung damit zu verbr\u00e4men ,<br>dass wir doch irgendwann mal zur\u201c Fl\u00e4che\u201c zur\u00fcckkehren wollen. Bravo !<br>Es doch gar keinen Kulturabbau gibt.Bravo ?<br>Die Stellen bleiben doch alle erhalten.Bravo ?!<br>Hohe Qualit\u00e4t in gefestigten Strukturen.Bravo !<br>Ich stelle mich doch der Diskussion.Bravo !<br>Alleine dieser Tatbestand w\u00fcrde Respekt einfordern,wenn der Ausgang des unw\u00fcrdigen Theaterkampfes nicht schon fest st\u00e4nde.In 5 Jahren beginnt der letzte Akt des Niederganges unseres Theaters.Dann kommt es zu dem Renteneintritt einiger unserer Musiker mit verweigerter Nachbesetzung.Man nennt das sozialvertr\u00e4gliches Abschmelzen. Die Folgen sind bekannt.Dazu gibt es sehr kompetente Wortmeldungen in den Medien,auch in der OTZ.Die Respektlosigkeit gegen\u00fcber Denjenigen,die bisher daf\u00fcr gek\u00e4mpft haben,dass das Orchester auf dem bekannt hohen Niveau spielen kann sucht ihresgleichen.Die Arroganz gegen\u00fcber dem musikinteressierten B\u00fcrger,der eine enorme Einschr\u00e4nkung der Musikliteratur hinnehmen muss,war kaum zu erahnen.<br>Deshalb fordere ich alle Verantwortlichen auf diesem makaberen Spiel ein Ende zu setzen.<br>Gera hat bereits geliefert!<br>Halbierung des Personalbestandes nach erfolgter Fusion ! Selbstsubventionierung durch Lohnverzicht.<br>Der Haustarifvertrag geh\u00f6rt ausgetauscht gegen einen g\u00fcltigen Fl\u00e4chentarifvertrag bei dem Hintergrund sprudelnder Steuerquellen und auf einmal vorhandener unvorstellbarer hoher Geldmittel f\u00fcr bekannte Sonderausgaben.Hinzukommt das Verschleudern von Millionen durch sinnlose Ausgaben, immer und immer wieder durch den Bundes &#8211; und Landesrechnungshof angemahnt.<br>Gera hat es verdient zur Absicherung seines Betriebes 50 Stellen im technischen Bereich als sofortige Notma\u00dfnahme genehmigt zu bekommen.Dar\u00fcber hinaus w\u00e4re zur Qualit\u00e4tserh\u00f6hung eine Aufstockung in der Gruppe der Streicher w\u00fcnschenswert zumindest die Besetzung der fehlenden 5 Stellen.<br>Ich muss wieder einen Sprung in das Jahr 2025 machen.<br>Meine Enkelin fragt:<br>\u201eNun Gro\u00dfvater, wie ist das alles ausgegangen?\u201c<br>\u201eDu siehst es mein Kind\u201c.<br>Der verantwortliche Kulturminister,ein narzisstischer Apparatschik, hat sich als ein kulturpolitischer Sargnagel der Rot-Rot-Gr\u00fcnen Koalition erwiesen. Er ist l\u00e4ngst wieder in Berlin .<br>Ein gro\u00dfer Teil der damals auf Kommunalebene agierenden Politiker ist auch nicht mehr da.<br>Die Kommunen k\u00f6nnen ihre Aufgaben nicht mehr erf\u00fcllen auf Grund einer vordergr\u00fcndig durch den Bund zu verantwortenden Steuerpolitik.Die Kommunen sind ausgeblutet.<br>Nach 4 Jahren ist das Experiment Rot-Rot-Gr\u00fcn geplatzt.<br>Die B\u00fcrger haben den Versuch der Regierung, etwas besser zu machen, nicht honoriert,weil es nicht besser wurde.<br>Der Kahlschlag an unserer in der ganzen Welt bekannten und von ihr beneideten Kultur hat mit dazu beigetragen, dass es zu einer folgerichtigen Abwahl der Regierung kam.<br>Als Linksintelektueller bedauere ich diesen Ausgang.<br>Es h\u00e4tte vielleicht etwas Gutes werden k\u00f6nnen.<br>Eines muss ich Dir unbedingt noch sagen:<br>August Everding, ein bekannter Theatermann, sagte schon 1993:<br>Wo Kultur wegbricht,wird Platz frei f\u00fcr Gewalt.<br>Diese getr\u00e4umte Vision hat mich schwei\u00dfgebadet munter werden lassen in der Hoffnung, dass dieses Szenario keinen Wirklichkeitscharakter erh\u00e4lt.<br>An unseren Generalintendanten,Herrn Kay Kuntze, m\u00f6chte ich in der Jetztzeit die Bitte richten sich nicht durch die Macht an die Wand dr\u00fccken zu lassen.Was einmal verloren gegangen ist, kommt nicht wieder.Daf\u00fcr gibt es gen\u00fcgend Beispiele in den letzten 25 Jahren aus anderen gesellschaftspolitischen Bereichen.<br>Die angedachte \u201egute 66\u201c kann nicht das Ziel sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gespr\u00e4ch eines Gro\u00dfvaters mit seiner Enkeltochter \u00fcber den Kulturabbau in unserer gemeinsamen Heimatstadt Gera Von Wolfgang Hothorn Seit Dienstag,dem 1.Dezember 2015, dem Besuch der ersten Diskussionsrunde \u00fcber die weitere Entwicklung der Theater \u2013 und Orchesterlandschaft Th\u00fcringens in Altenburg und der anschlie\u00dfenden Runde am 8.12.2015 in Gera,nimmt mich ein f\u00fcrchterliches Szenario in Besitz.Im Jahre 2025 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-40132","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/40132","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40132"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/40132\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":468445,"href":"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/40132\/revisions\/468445"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40132"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}