{"id":28217,"date":"2015-02-18T08:50:44","date_gmt":"2015-02-18T07:50:44","guid":{"rendered":"http:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/?page_id=28217"},"modified":"2020-10-23T09:26:05","modified_gmt":"2020-10-23T07:26:05","slug":"cd","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/cd\/","title":{"rendered":"CD -Besprechung Paul Graener"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Beherzter Einsatz<\/strong><br><strong>Das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera mit Eric Sol\u00e9n an der Spitze bricht eine Lanze f\u00fcr den Komponisten Paul Graener \u2013 im Konzert und auf CD<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-normal-font-size wp-block-paragraph\">\u201eZweierlei Arten von Werken brechen sich selbst ihre Bahn: die Sch\u00f6pfungen der ganz gro\u00dfen Dichter, im Lauf der Jahrhunderte; und bestsellerhaft-quick, der Edelkitsch. Deshalb ist es wichtig, f\u00fcr das Schaffen der <em>Guten Meister zweiten Ranges<\/em> einzutreten, die sonst oft unbeachtet, durch die D\u00fcnung der Jahrzehnte an die R\u00e4nder des Literaturmeers gesp\u00fclt werden &#8230;\u201c<br>Die S\u00e4tze des lange und oft untersch\u00e4tzten literarischen Au\u00dfenseiters Arno Schmidt kamen mir beim Wiederh\u00f6ren dieser beeindruckenden Graener-CD in den Sinn. \u00dcbertr\u00e4gt man sie sinngem\u00e4\u00df auf Musik, dann lesen sie sich wie ein Konzertplan-Konzept, dem das Geraer Theater (wie in Oper, Schauspiel oder Ballett) von Beginn an und bis heute (auch) folgt. J\u00fcngst war der Komponist Hans G\u00e1l erstmals zu h\u00f6ren. Und im M\u00e4rz 2009 erhielt Paul Graener, der jahrzehntelang Vergessene, seinen Auftritt. Exzellent musiziert, kam das facettenreiche Portr\u00e4t eines jener Guten Meister zweiten Ranges aus dem 20. Jahrhunderts zum Vorschein, der aus Barock und Sp\u00e4tromantik, aus Impressionismus, Jugendstil und Neoklassizismus mit jeweils wechselnden Akzentuierungen durchaus Eigenes geschaffen hat, ohne dass er je zum Wegbereiter geworden w\u00e4re. Damit z\u00e4hlte das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera unter Leitung von GMD Eric Sol\u00e9n zu den Ersten, die f\u00fcr die Musik dieses Wanderers zwischen Welten, Zeiten und Stilen eine Lanze brachen. Denn um das Jahr 2010 wurde dem deutschen Komponisten mit britischem Pass und einem Hang zur franz\u00f6sischen Klangkunst erneut und mehrfach Aufmerksamkeit zuteil. Und in diesem Konzert war und auf dieser CD ist schillernde Musik als Ausdruck einer schillernden Pers\u00f6nlichkeit zu erleben!<br>Paul Graener kam am 11. Januar 1872 in Berlin zur Welt. In London, Wien und Salzburg, in Leipzig, Berlin und Dresden, in M\u00fcnchen und wiederum in Berlin fand er attraktive \u00c4mter, Auftr\u00e4ge und Auff\u00fchrungsorte. Er galt als \u201eerster Komponist in unserem Lande\u201c, sein Name hatte \u201eauch \u00fcber die Reichgrenzen hinaus einen guten Klang\u201c \u2013 und er war Propagandist, Proteg\u00e9 und Profiteur der NS-Politik. An der Preu\u00dfischen Akademie der K\u00fcnste beerbte er die von den Nazis vertriebenen j\u00fcdischen Musiker Schreker und Sch\u00f6nberg als Leiter einer Meisterklasse. Fr\u00fchzeitig trat er dem \u201eKampfbund f\u00fcr deutsche Kultur\u201c und der NSDAP bei und wurde in der Nachfolge von Wilhelm Furtw\u00e4ngler (bis 1944) Vizepr\u00e4sident der Reichsmusikkammer. Er sandte Treuebekundungen an seinen F\u00fchrer, lie\u00df sich von Adolf Hitler mit 30.000 Reichsmark aus der Patsche helfen und steuerte zu einem Goebbels-Auftritt schon mal eine Urauff\u00fchrung bei (\u201ePrinz Eugen, der edle Ritter\u201c). Doch er sch\u00fctzte auch j\u00fcdische Freunde, hielt an seinem j\u00fcdischen Verleger fest und hatte nach 1939 kaum noch Chancen. 1943 fl\u00fcchtete er aus Berlin, verlor bei Bombenangriffen sein Hab und Gut und starb am 11. November 1944. Verarmt und unbeachtet, fand er auf dem Salzburger Kommunalfriedhof in einem Massengrab seine letzte Ruhest\u00e4tte. 12 B\u00fchnenwerke, \u00fcber 200 Lieder und viele chorsinfonische und Instrumental-Werke hat er hinterlassen.<br>Unter den vier Werken dieser CD befindet sich Graeners bekanntestes und erfolgreichstes: \u201eDie Fl\u00f6te von Sanssouci\u201c, eine Suite f\u00fcr Kammerorchester. Nach ihrer W\u00fcrzburger Urauff\u00fchrung im August 1930 erlebte sie innerhalb von zwei Jahren sechzig Reprisen in 52 deutschen St\u00e4dten \u2013 in Berlin, Venedig und New York mit Furtw\u00e4ngler, Erich Kleiber und Toscanini als Dirigenten. Vier S\u00e4tze faszinieren den H\u00f6rer. Ihr stimmungsvoller Beginn kehrt am Ende wieder, und die T\u00e4nze umrahmen ein reizendes, melodisch einpr\u00e4gsames Air. Dem empfindsamen Fl\u00f6tenspiel und damit der (Klang-) Figur des preu\u00dfischen K\u00f6nigs Friedrich II., auf den der Werktitel hinweist, verleiht Andreas Knoop sch\u00f6nste Pr\u00e4senz und Ausstrahlungskraft. Graeners \u201eTurmw\u00e4chterlied\u201c, 1939 beim Internationalen Musikfest in Baden-Baden uraufgef\u00fchrt, besteht aus \u201eOrchestervariationen \u00fcber ein Gedicht von Goethe\u201c; es ist eines seiner vielen, vom deutschen Dichterwort inspirierten Kompositionen. \u201eZum Sehen geboren\u201c aus Faust II l\u00f6st D\u00fcsternis und Choral-Klang, Angriffs-Szenario und trotziges Widerstehen, Festlichkeit und erneute Dunkelheit aus. Den Titel seiner 2. Sinfonie, der \u201eWiener Sinfonie\u201c, hat Graener mit den Worten \u201eDie sch\u00f6nsten Sinfonien sind in Wien entstanden\u201c erl\u00e4utert. Von den Berliner Philharmoniker unter Hans Knappertsbusch am 25. November 1941 uraufgef\u00fchrt, war ihr ein \u201ebegl\u00fcckend reicher\u201c Erfolg beschieden. Aus weitgeschwungenen sanglichen Themen, zarter Lyrik, fein erfundenen und austarierten Kl\u00e4ngen und \u00fcberdies aus Bez\u00fcgen zu Mozarts Jupitersinfonie und zur Suite \u201eDie Fl\u00f6te von Sanssouci\u201c entwickelt Graener dieses ausdrucksvolle Opus 110. Es war sein letztes Werk, das bei Eulenberg herauskam, ehe der Verlag im Zuge der \u201eArisierungsgesetze\u201c enteignet wurde. Den Auftrag f\u00fcr sein letztes vollendetes Werk, das Fl\u00f6tenkonzert op. 116 , erhielt der Komponist 1944 vom Zimmermann-Verlag, der seit 1940 ebenfalls offiziell verboten war. Dem Schlusssatz dieses freundlich-innigen, von Musizierlust durchzogenen St\u00fccks liegt das deutsche Volkslied \u201eFreut euch des Lebens\u201c (1793) zugrunde &#8211; Graener bleibt Optimist, trotz aller Schicksalsschl\u00e4ge. Und er mahnt, in dunklen Zeiten den Lebenswillen nicht zu verlieren. Die Urauff\u00fchrung hat er nicht mehr erlebt.<br>Gemeinsam mit der vorz\u00fcglichen Solistin Cornelia Grohmann erwecken Sol\u00e9n und das Philharmonische Orchester die F\u00fclle an Wohlklang, Farbigkeit und Ausdruck, die romantische Gef\u00fchlswelt und die schillernde Vielfalt von Graeners Musik zu neuem Leben. Voller Leidenschaft und Engagement, sensibel und klangsch\u00f6n liefern die Musiker ein erstklassiges Pl\u00e4doyer daf\u00fcr, diesen Meister von den R\u00e4ndern des Musikmeers ins Repertoire zur\u00fcckzuholen. Und sie stellen sich damit selbst ein hervorragendes Zeugnis aus. Das alles verdient Anerkennung und Beachtung!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\"><em>Eberhard Kneipel (Februar 2015)<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paul-Graener-CD-Cover-Rahmen-k.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paul-Graener-CD-Cover-Rahmen-k-150x150.jpg\" alt=\"Paul Graener CD-Cover Rahmen k\" class=\"wp-image-820\" srcset=\"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paul-Graener-CD-Cover-Rahmen-k-150x150.jpg 150w, https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paul-Graener-CD-Cover-Rahmen-k-298x300.jpg 298w, https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paul-Graener-CD-Cover-Rahmen-k.jpg 541w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-style-default\"><a href=\"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paul-Graener-Innenseite-Rahmen-k.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paul-Graener-Innenseite-Rahmen-k-150x150.jpg\" alt=\"Paul Graener Innenseite Rahmen k\" class=\"wp-image-821\" srcset=\"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paul-Graener-Innenseite-Rahmen-k-150x150.jpg 150w, https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paul-Graener-Innenseite-Rahmen-k-298x300.jpg 298w, https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paul-Graener-Innenseite-Rahmen-k.jpg 541w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-normal-font-size wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paul-Graener-Innenseite-Rahmen-k.jpg\"><br><\/a>Paul Graener (1872-1944) \u2013 Wiener Sinfonie \u2022 Die Fl\u00f6te von Sanssouci \u2022 Turmw\u00e4chterlied \u2022 Fl\u00f6tenkonzert \/\/ Cornelia Grohmann, Fl\u00f6te \u2022 Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera \u2022 Eric Sol\u00e9n \/ Sterling CDS \u2013 1090-2 \/ Total playing time 72\u201934<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">CD ist <a href=\"mailto:%20kontakt@orchesterfreunde-gera.de\">hier<\/a> erh\u00e4ltlich! &nbsp; &nbsp; Eine H\u00f6rprobe und weitere CD gibt es <a title=\"CD Produktionen des Orchesters\" href=\"https:\/\/orchesterfreunde-gera.de\/content\/cds\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beherzter EinsatzDas Philharmonische Orchester Altenburg-Gera mit Eric Sol\u00e9n an der Spitze bricht eine Lanze f\u00fcr den Komponisten Paul Graener \u2013 im Konzert und auf CD \u201eZweierlei Arten von Werken brechen sich selbst ihre Bahn: die Sch\u00f6pfungen der ganz gro\u00dfen Dichter, im Lauf der Jahrhunderte; und bestsellerhaft-quick, der Edelkitsch. 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